🎗️„Rape is not resistance“ – Ein Abend über Antisemitismus, Frauenrechte und Zivilcourage

Podium

Am 19. Januar luden die Liberalen Frauen Hamburg zu einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Rape is not resistance – Ein Austausch zu Antisemitismus und Zivilcourage“ in den Logensaal der Hamburger Kammerspiele im Grindel ein. Rund 100 Gäste folgten der Einladung und erlebten einen intensiven, stellenweise sehr persönlichen Austausch über Antisemitismus, sexualisierte Gewalt und die Verantwortung der Zivilgesellschaft.

Den Auftakt des Abends machte Stefan Hensel, ehemaliger Antisemitismusbeauftragter der Stadt Hamburg. In seinem Grußwort betonte er, dass der Kampf gegen Antisemitismus eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei und nicht allein Jüdinnen und Juden zugemutet werden dürfe. Eine demokratische Gesellschaft dürfe sich nicht spalten lassen – sie brauche Menschen, die Haltung zeigen und andere nicht allein lassen.

Klare Haltung gegen die Relativierung von Gewalt

Im Zentrum der anschließenden Podiumsdiskussion standen die Landesrabbinerin der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hamburg, Alina Treiger, und die Aktivistin und FDP-Politikerin Karoline Preisler, moderiert von der ehemaligen Bundestagsabgeordneten Ria Schröder. Bereits der Titel der Veranstaltung machte deutlich, worum es ging: um die unmissverständliche Zurückweisung jeder Relativierung oder Rechtfertigung sexualisierter Gewalt – auch und gerade dann, wenn sie im Kontext antisemitischer oder antiisraelischer Narrative erfolgt.

Diskutiert wurde, welche Folgen es für eine Gesellschaft hat, wenn Gewalt legitimiert wird, solange sie vermeintlich die „Richtigen“ trifft, und was dies über das Frauenbild und den Zustand universeller Menschenrechte aussagt. Die Teilnehmerinnen waren sich einig: Frauenrechte sind unteilbar, Menschenwürde nicht verhandelbar – Vergewaltigung ist niemals „Widerstand“.

Antisemitismus nach dem 7. Oktober

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Zustand jüdischen Lebens in Hamburg. Alina Treiger schilderte eindrücklich, wie sehr sich das Sicherheitsgefühl vieler Jüdinnen und Juden seit dem 7. Oktober 2023 verändert habe. Der massive Anstieg antisemitischer Vorfälle zeige, wie schnell Entmenschlichung Raum greife – häufig nicht offen, sondern unter dem Deckmantel von Aktivismus, vermeintlicher „Israelkritik“ oder moralischer Doppelstandards.

Auch die Rolle von Medien, Universitäten und zivilgesellschaftlichen Akteuren wurde kritisch beleuchtet: Wo Gewalt sprachlich relativiert oder als „Kontext“ eingeordnet werde, verschöben sich gefährlich die Grenzen des Sag- und Denkbaren.

Zivilcourage als konkrete Handlung

Karoline Preisler berichtete von ihren Erfahrungen mit antisemitischen Demonstrationen, Anfeindungen und Bedrohungen. Radikalisierung, so ihre Einschätzung, ziehe sich längst durch alle gesellschaftlichen Milieus. Zivilcourage bedeute für sie, aus historischer Verantwortung heraus stehenzubleiben, Unrecht klar zu benennen und demokratische Mittel zu nutzen – auch wenn das persönlich belastend sei. Veränderung beginne dort, wo Menschen deutlich sagen: So nicht.

Gemeinsam diskutierten die Podiumsgäste, warum viele Menschen Antisemitismus zwar ablehnen, im konkreten Moment aber schweigen – und was es braucht, damit Zivilcourage nicht nur gefordert, sondern auch gelernt und gelebt wird. Dabei wurde auch der Bezug zu jüdischen Werten und Traditionen hergestellt, die Verantwortung, Mut zum Widerspruch und das Handeln im richtigen Moment betonen.

Verantwortung übernehmen – nicht schweigen

Der Abend endete mit einem klaren Appell an alle Anwesenden: Zivilcourage beginnt im Alltag – im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, auf der Straße. Wegsehen ist keine Option. Gerade in Zeiten wachsender Polarisierung braucht es Menschen, die Haltung zeigen und für eine offene, freiheitliche Gesellschaft eintreten.

Die Veranstaltung machte deutlich, wie wichtig Räume für offene, respektvolle und zugleich klare Debatten sind. Die Liberalen Frauen Hamburg werden diesen Dialog weiterführen – für Frauenrechte, gegen Antisemitismus und für eine Gesellschaft, die nicht schweigt, wenn Unrecht geschieht.

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Unser Dank für die fotografische Dokumentation geht an: ©️Raawi | Shendl Copitman